Lieber mal vom Weg abkommen, als sich gar nicht bewegen

Wie weit man sich aus dem Fenster lehnen kann weiß man, wenn man es tut. Sicherheitshaken empfohlen. Man merkt eh früh genug, wenn es an der Zeit ist umzukehren oder eine Abzweigung nehmen sollte. Überraschungen im Leben wie immer vorprogrammiert. Was wenn man sich überschätzt hat? Weitermachen? Ja, es könnte doch noch leichter sein, als gedacht. Ich trau mich das, wo andere nicht mal drüber nachdenken. Es gibt halt kein besseres Mittel, seine Grenzen auszuloten, als an seine Grenzen zu gehen.

Trotzdem um die Ecke gucken

„Die is jo varruckt“!

Nein, nur mutiger. Mut kommt von Mutter und den hat mir meine mitgegeben. Meine Vorstellung vom Leben ist eine andere und meine Möglichkeiten auch. Wie viel Mut verträgt die Gesellschaft? Wenn einer vom Mond springt ist das sensationell, wird mit Millionen gesponsert. Eine zierliche Frau beweisen kann, das nicht nur Männer alle Achttausender beherrschen: Wahnsinn. Mit Neunzehn auswandern: Das ist ALLE ACHTUNG! Ich bewundere Mutige, wenn sie etwas tun, das lebensnah, realistisch für den „Hausgebrauch“ ist. Da gehören für mich Neuanfänge über Fünfzig dazu, ein große Herausforderung und mehr als eine Mutprobe.

Manchmal ändern sich die Ziele

Den goldenen Mittelweg, gehe ich selten

Weil er den „Lebensweg“ trotzdem steinig machen kann und ans eigene Ziel bringt er einen auch selten. Anfang Zwanzig las ich mal dieses Gedicht und ich denke jeden Tag daran:

„Wenn ich könnte wie ich wollte“
Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Nicht so perfekt sein wollen, mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter als ich gewesen bin,
würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben, würde mehr riskieren, mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls Du es noch nicht weißt, aus diesen besteht das Leben;
nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen!

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie…
ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.
Jorge Luís Borges

Darum „Solange ICH KANN – TU ICH“

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