Ein Vogel wollte Hochzeit machen

Romantisch und liebevoll stellt man sich einen Heiratsantrag vor. Als Frau, selbstverständlich vom Mann der Begierde. Bei mir wars umgekehrt, das hat sich gerächt: Gschieden, gschtorm, hümmegfoahrn, naja, erst mal „nur geschieden“. Der Klassiker einer „gschlamperten“ Beziehung: Erstes Kind, Eifersucht, Verlustangst, Liebeskummer, Existenzangst. Also sprach ich energisch und bestimmt: „Entweder wir heiraten oder ich zieh aus!“ Er hat JA gesagt, Begründung:

„Den Haustürschlüssel hast ja eh scho“

Eine gute Prognose für die bevorstehende Hochzeit? Alles so, wie man es niemals machen sollte. Auf meine besorgte Frage, wann wir mal endlich eine geeignete Locations suchen, meinte mein Bräutigam: „Das hat noch genug Zeit“. Genau! Nämlich keine, die Hochzeit im April geplant, hat ER, nach einer durchzechten Nacht, am Aschermittwoch, noch verkleidet als „Hure“, in einer drittklassigen Pension, den Termin für den „schönsten Tag im Leben“ ausgemacht.
„Die kleineren Übel sind meist von längerer Dauer“ (Wieslaw Brudzinski)

Der Tag danach

Den Hochzeitstag selbst, will ich gar nicht erwähnen. Unsere damals einjährige Tochter, krank, wollte nicht von meiner Schulter. Hat mir auf´s Kostüm gekotzt, da bin ich mit ihr nach Hause. Im Dorf, der Brauch, die Behausung des Brautpaares zu verunstalten, hat einigen Spaß gemacht. Im Schlafzimmer die Nudeln und im Kühlschrank die Decken! Die Vorhänge mit Seemannsknoten verbunden und die Glühbirnen herausgedreht, alles finster. Gekränkt, geschwächt und enttäuscht mit dem Kind ins Bett, welches der Bräutigam, nach langem und ausgiebigen Feiern, morgens um sechs Uhr aufsuchte.

Siebenundzwanzig Jahre

Insgesamt vierunddreißig gemeinsame Jahre. Ein halbes Leben, wie kam es da noch zur Scheidung? Ganz einfach, summa summarum, war die Zeit, die mein Mann mit mir und den Kindern verbrachte weniger, als die Gerüchte, die, die Spatzen von den Dächern pfiffen. Jetzt versteh ich auch woher der Satz stammt: Du hast wohl einen Vogel. Stimmt, gehabt 😉
Noch ein Grund: Die Ringe, hat er bei einem Ausflug mit seinem Freund, in Freilassing gekauft. Einfache „Hennaring“, ohne Gravour und alles, so sind´s dann auch angsteckt worden. Wär ich geblieben, hätte es wahrscheinlich irgendwann geheißen:
Seine Liebe war ewig, als seine Frau starb, nahm er sich eine andere“ Wilhelm Busch

4 Kommentare

  1. Gabi sagt:

    Entschuldige, wenn ich lache. Aber das passiert einem eh nur einmal!

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    1. Da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Obwohl, viele bunte Vögel gibts ja immer noch und überall 😉

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