Mecker – Mittwoch

„Der fehlen ja Zähne“ hört Provinzmadame sich sagen, „dafür hats a scheen´s Haus“ die Antwort. Also Frau Gertrude könntest so jemanden auf den Bauch binden: NADA! Hauptsache Besitz, über alles andere wird „drübergschaut“? Besonders Leute, die erst Landflucht begehen, „überstandig“ retourkommen, wollen hier noch unbedingt einen abkriegen. Ist Besitz eine soziale Selbstaufwertung? Provinzmadame ist überzeugt:
„Wer nix hat, dem fehlt nix!“ Wenig Geld ist keine Schande und mit wenig auskommen lernt man, aufwachsen und reinwachsen mit Hirn. Geld ist Energie und weil sie, viel Geld blockieren würde, kann sie sich auch keine neun Nullen vorstellen. Also, richtig viel Geld, daher auch nicht.

Frau Gertrudes Luxus ist ihre Unabhängigkeit

Was soll sie mit Luxus im, am und ums Haus? Das Häufige ist häufig und das Seltene selten und das ist bei Provinzmadam: Das Flüssige. Dafür kann sie die sein, die sie sein will und ist frei, von der Meinung anderer. Daher ärgert sie das Verhalten der Menschen, die abwertend denen gegenüber sind, die „nix“ haben. „Tja, mit der vollen Hosn is leicht stinga“.
Durch Erben reich zu werden, ist auch wahrscheinlicher, als durch Arbeit oder einen Lottosechser. Leute, die sich ins „gemachte Nest“ setzen können und andere durch ihre Arroganz und Überheblichkeit zum „Bettler stempeln, regen Frau Gertrude auf.

„Du wirst reich, durch die Leich“

Wenn aus dem Munde einer Dame der „guten Gesellschaft“, die Frage kommt: „Woher kommst du eigentlich?“– und Provinzmadame „vom Dorf“ antworten muss, ist bei solchen ein abfälliger Gesichtsausdruck zu sehen, schlimmer, manchmal eine abfällige Bemerkung. Lasst euch von Frau Gertrude gesagt sein:
„Ihr überstandigen Trutschn, geboren in einer zweitklassigen Bezirkshauptstadt, ohne uns Arbeiter und Bauern, hätten eure Väter und Mütter ihren Betrieb nicht aufbauen können. Die Leute, die in dem Ort Leben und Arbeiten, wo die „Bude“ steht, halten „EURE“ Wirtschaft am Laufen!“
Provinzmadame ist es leid, das Gefühl zu haben, sich für etwas rechtfertigen zu müssen, wofür es keinen Grund gibt!“
Man sollte nie vergessen, dass ein großer Betrieb oder Ladenkette, vom „kleinen Mann“ abhängig ist und das ist ja wohl, der „Arbeiter!“


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Comments

3 Antworten zu „Mecker – Mittwoch”.

  1. Avatar von Sabienes

    Ich habe nicht verstanden, was das bedeutet, dass du aus Lenzing kommst. Ist das sowas, wie Offenbach? Also Glasscherben- oder Arbeiterviertel?
    Ich kann diese Hochnäsigkeiten nicht ausstehen. Und auch dieser Grundsatz „Haste was, biste was“. Wir sind auch Hausbesitzer (bzw. kennen wir eine nette Bank, die uns gegen eine monatliche Gebühr hier wohnen lässt). Aber ich schließe es nicht aus, dass ich irgendwann im Alter (also bald?) kleiner und städtischer wohnen möchte. Unsere Freunde (Hausbesitzer dank Oma) können das nicht verstehen.
    Aber jeder so, wie er meint.
    LG
    Sabienes

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    1. Avatar von bewegend-begeistern

      Hallo Sabienes, der Ort entstand, damit in der Lenzing AG (Modal) die Arbeiter nicht so weit zur Arbeit haben. Für die „Höheren Tiere“ gabs schon Reihenhäuser und für die Arbeiter Wohnungen. Ich heb meine Kindheit in guter Erinnerung. Die Geruchsbelästigung war zwar arg und der Schnee im Winter „verrußt“, doch ich kenne kein Unternehmen, das so viel für Familien und Sport macht. Heute ist die Luft klar und es wohnen „quer durch die Bank“, gut oder weniger gutsituierte Leute im Ort. Oberflächliche Bemerkungen, machen wirklich nur Emporkömmlinge oder „Erben“
      lg ingrid

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      1. Avatar von Sabienes

        Solche Arbeitersiedlungen haben ein besonderes Flair und oft auch einen schlechten Ruf. Inzwischen werden solche alten Siedlungen oder Industriebrachen luxussaniert. Dann gibt es dort ein Loft und eine bewachte Tiefgarage und von den Quadratmeterpreisen bekommt man Depressionen.
        Und so ändern sich die Zeiten.
        Über manche Befindlichkeiten und Eitelkeiten kann man nur noch lachen.
        LG
        Sabienes

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