Als sei nichts gewesen

„Wenn du noch eine Mutter hast, so Danke Gott dafür“ – damit sang sich „Heintje“in die Herzen unserer Mütter. Ich verstand nie warum meine Mutter, bei seinen Liedern immer weinte. Auf unsere Frage, antwortete sie immer nur: „Die kleinen Kinder hast du am Schoß, die großen am Herzen“. Erst jetzt versteh ich was sie damit meinte. Sind die Kinder klein und du gibst ihnen all die Liebe die du geben kann, wirst du nicht die selbe zurückbekommen, wenn sie erwachsen sind.
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Gehen sie ihre eigenen Wege

Hat man ja einen Teil schon richtig gemacht. Kinder, die aufrichtige, selbständige, Erwachsene werden sollen, ist eine Aufgabe, die man als Eltern übernimmt. Wenn alle „Kindereien“ vorbei sind, wird sich zeigen, wie gut man als Mutter war. Wie erinnert man sich als Erwachsener, was weiß man noch aus der Kindheit und was wird einem „weiß“ gemacht? Viele Dinge schauen bei genauerem hinsehn, anders aus. Ob es wirklich so wahr, kann keiner mehr beweisen.
Brautmädchen

Ich erinnere mich an meine ersten Male

In der Jugend:

  • Zum ersten Mal umgezogen, ich war drei, alleine an der Hausecke gestanden und das Nachbarsmädchen kennengelernt. Ganz natürlich haben wir unsere Namen genannt und waren Freundinnen bis zum Schulwechsel mit zehn.
  • Zum ersten Mal war ich länger von Zuhause weg. In Niederösterreich, Allentsteig, bei Onkel und Tante. Nach drei Wochen Heimweh, hielt ich es nicht mehr aus und mein Onkel musste mich zurück bringen. Mit einem Puch 650. Die Fahrt dauerte endlose vier Stunden.
  • Zum ersten Mal mit einem Jungen. Ich war so verliebt und hatte ein trotzdem schlechtes Gewissen. Ich war kurz vor sechzehn.

Frau mit Tuch im Wind

Im mittleren erwachsenen Leben

  • Das erste Mal ausgezogen, mit neunzehn und mit einundzwanzig das erste Baby. Die schmerzhafte Geburt und die überdimensionale Liebe zu dem Kind. Ich dachte damals: „Ich kann kein weiteres Kind bekommen, ich hab keine Liebe mehr über.“
  • Die Geburt meiner zweiten Tochter mit zweiunddreissig. Die Liebe hat doch gereicht 😉
  • Die unendlichen Jahre einer „Amour fou“. Eine Beziehung, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

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Jetzt erinnere ich mich daran

  • Zum ersten Mal nach der Scheidung, als ich kein schlechtes Gewissen beim zu spät Nachhause kommen hatte.
  • Zum ersten Mal, das erste Mal Weihnachten, entspannt mit der „Ursprungsfamilie“ ohne Streit und Sticheleien
  • Zum ersten Mal, so weit mit dem Auto gefahren, bis der Benzin alle war 🙂

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Einige Erinnerungen, die in jeder Phase kommen können

  • Zum ersten Mal, als mir bewusst wurde, es gibt kein „Unendlich“
  • Zum ersten Mal, der Sonnenaufgang, mit fünf, am Gahberg
  • Zum ersten Mal, der Sonnenuntergang, mit zweiundvierzig, am Lichtenberg
  • Zum ersten Mal, sah ich einen Menschen sterben, meine Mutter, ich war sechsundvierzig. Ich brauchte ein halbes Jahr, um den Schmerz zu verarbeiten.
  • Zum ersten Mal, eine Liebe, die keine Liebe ist. Flucht vor Nähe?
  • Zum ersten Mal, den Kummer eines Kindes miterleben, das einen geliebten Genossen verliert.

PS: Sich Sorgen zu machen nimmt dem morgigen Tag nicht seinen Kummer. Er nimmt dem heutigen Tag seine Stärke. Corrie ten Boom

LilaIII

Für alle die mehr über das „Erinnern“ wissen möchten, mein Buchtipp:
„WEISSE HANDSCHUHE“ von John Kottre
Wie das Gedächtnis Lebensgeschichten schreibt

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