Ein kleines Dorf im Attergau, das der Ortspfarrer „Sündendorf“ nannte, weil es nirgends so viele ledige Kinder gab, wie dort. Das lag aber nicht daran, dass die Frauen so unkeusch waren oder „sitzen gelassen“ wurden, sondern am extra Geld vom Staat.
Hier konnten die noch unbeschwert aufwachsen, weshalb sie sich regelmäßig in der Dorfmitte um zu Spielen trafen, oder Unfug trieben.
Ein Dorf, wo manche Männer ihre Angetraute „Oide“ riefen und sie ihn mit „Oida“ antwortete. Üblich am Lande ist auch, dass einem „Zuzug“ stets mit Argwohn begegnet wurde und in dessen Genuss, auch Provinzmadame kam.
Über zwanzig Jahre lebte und wunderte sie sich über die Eigenheiten der Dorfbewohner und hörte sich ihre Geschichten an. Amüsiert, konnte so mancher „Leidensgenosse“ nur den Kopfschütteln oder: „Heilig, heilig!“ rufen.
Die Wäsche musste richtig hängen!
Zwar hatte Provinzmadame von Zuhause gelernt, wie man Wäsche richtig hängt. Diese Grundkenntnisse in Haushaltsführung, kamen hier natürlich zum Einsatz. Ihr Waschtag aber, wurde von den Nachbarn misstrauisch beäugt, besonders, weil sie keinen festen „Tag“ hatte. Immerhin gab es Regeln, wenn drei Bäuerinnen den Mittwoch als Waschtag hatten, sollte dieser sinngemäß, natürlich auch für die Vierte gelten. Und dann durfte die Wäsche nur nach Farbe und Länge sortiert auf der Leine hängen und keine „Unterflak“ (Slip) zur Schau gestellt werden .
Auch so mancher Köter, machte die Nachbarn narrisch
Hier betraf es die Familie von Provinzmadame, die unter den Belltiraden vom kleinen weißen Spitz gelitten hatte. Bei jeder Bewegung rund um deren Haus und jedem Geräusch, keifte das Weibchen. Das beschallte aber nicht nur deren Haus und Garten, sondern prinzipiell, auch das der Nachbarn. Die Hundebesitzer, selber genervt von der „Kläfferei“, ließen das Hundsviech daher ständig raus, damit sie drinnen ihre Ruhe hatten.
Doch der Köter lief nicht nur beim Briefträger zur Höchstform auf, nein, besonders dann, wenn ihr Mann, um fünf Uhr zur Frühschicht musste und erst recht, wenn er von der Spätschicht kam. Genau zu dieser Zeit war das jüngste Kind ein Wirbelwind, dass vielleicht kurz vorher eingeschlafen ist und durch das Gebell wieder hellwach wurde. Aufrecht sitzend im Bett, lauthals den Namen der Hündin rief: „Linda, Linda!“
Die Sache mit der Rache
Jahre, weckte der kläffende Köter das Kind aus dem Schlaf, Mittags wie Nachts. Aber auch den Nachbarn, der sich als Pensionär, stets zur Siesta in den Garten legen, wobei es deswegen zu vermehrten Wutausbrüchen und gegenseitigen Beschimpfungen der Hundebesitzer kam. (Schiache Wörter)
Provinzmadame erinnert sich noch gut daran, als sie wieder mal beim Wäsche aufhängen war und aus dem Zimmer ihrer „Teenager-Tochter“, ähnliches Gebell zu hören war. Diese Laute machten den Köter jedes Mal richtig rebellisch. Also ging Provinzmadame mal zu ihrer Tochter ins Zimmer und erwischte sie, wie sie rovokant, ja geradezu euphorisch, ihren „Lieblingstitel“: „Girl You Know it´s True“ abspielte. Wohlwissend, dass sich der Intro wie: „WAUWAU!!“ anhörte.
Damit „tratzte“ (reizte) sie die Hündin, eine Lieblingsbeschäftigung von Teenagern. Zumindest nahm sie aber Rücksicht auf ihre kleinere Schwester und fing erst damit an, als sie vom Mittagschlaf aufwachte.
Leider genau immer da, wollte aber der Nachbar halt seine Siesta abhalten.
So waren die Nerven von Provinzmadame ständig zum Zerbersten angespannt und das Tobsucht-Geschrei ihres Kleinkindes, gaben ihr den Rest. Die cholerischen Anfälle ihre Mannes nicht mitgerechnet.
„Nachbarn sind Raum- und Zeitgenossen, die uns immer wieder das Gefühl geben, eng mit ihnen „verfreundet“ zu sein“ – Ernst Ferstl

Fotos: Von Pixabay

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