50 Shades plus eight

Früher las ich Geburtsanzeigen, heute, Todesanzeigen. Für mich zählt der Moment, dann, doch ab und an, verschwende ich einen Gedanken an: „Das Leben danach“, denn, das Leben, überlebt eh keiner. Als meine Schwester samt Ehemann, ins Pflegeheim kam, hatten wir Geschwister die undankbare Aufgabe ihre Wohnung aufzulösen. Mussten entscheiden, was bleibt und was nicht. Sich oft gefragt, ob man den Menschen, seine Schwester wirklich kennt.

Woran willst Du dich erinnern?

Ans Gebiss der verstorbenen Mutter oder an die Kassenzettel vom letzten Jahrtausend? Nicht loslassen können, äussert sich bei manchen merkwürdig. Ich bin „Wegwerferin“, heb nur auf, was mich an persönliche, tiefgreifene Erlebnisse erinnert. Da gehört das Gebiss meiner Mutter, sicher nicht dazu. Von ihr steht ein Bild in der Küche und ein Andenken am Nachttisch. Komisch, seitdem achte ich darauf, dass meine Kinder keine oder so wenig wie möglich, Arbeit mit der Hinterlassenschaft haben. Die Dokumente sind geordnet, sämtliche „Penner“ aus dem Schrank verbannt und die Wohnung meist aufgeräumt. Das erinnert mich an das Gespräch mit einer Freundin. Sie hat ein Kleid, dass ihr schon Jahre nicht mehr passt, meint aber:
„Des is so schön, dann solln sie´s mir halt im Sarg drauflegen“

Alles Altersbedingt?

Mit welchen Gedanken man heute die Wohnung verlässt? Nicht mehr wie „Susi Sorglos“, nach dem Motto: „zieh dir geile Wäsche an, man weiß ja nie“ sondern: „Nur mehr Schwarz, soll der Sargtischler auch was davon haben“. Und überhaupt, wohin mit den delikaten Dingen, wie den Tschurifetzen unterm Bett? Die Töchter sind nicht mehr so klein, dass eine Verwechslung wie Anno dazumal aufkommen könnte. Wenn ich dran denk, versink ich heute noch im Erboden, als die Älteste beim Familienfrühstück, aufgeregt in die Küche kam und fragte:
„Mamma, wo is denn die kleine Raketn, die auf dem Bett lag“– omg.

Sterben ok, aber wenn, mit einem Lächeln im Gsicht

So bin ich heute jederzeit bereit, hab keine „Rechnung“ offen, alles geregelt, um einen letzten guten Eindruck zu hinterlassen. Soll heissen, regelmäßig zur Fußpflege und Friseur, Dessous nur mehr in Schwarz, damits zum Thema passt und dann sollns a „Scheene Leich“ ham, weil:
Ein Mensch sieht ein, dass wer, der stirbt, den andern nur den Tag verdirbt.“
Eugen Roth
und auf dem Grabstein soll stehen: „Sie gestatten, dass ich liegenbleibe“

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