Das Nein, kann Leben retten

Das Nein, kann Leben retten

Im ländlichen Bereich möglich. Ich bin die Seestraße entlang gefahren, kommt es zu einem Stau. Zwei Damen stehen nervös am Straßenrand und gucken auf den Boden. Ich steig auch aus und seh das Malheur. Die junge Frau, zwei Autos vor mir, hat einen Marder angefahren. In der Provinz, das meistgehasste Tier. Jetzt liegt einer mit blutender Nase und zuckend neben der Fahrbahn. Aufgeregt meint eine: „Wir müssen die Tierrettung rufen“. Ich versichere: „Bis die hier ist, ist er längst tot“. Meine Lösung, ich frag in den Autos hinter uns einen Mann, der soll ihn erschlagen.

Ein Steinmarder „gheart glei daschlogn“

Schimpfen Jäger und Besitzer von Neuwagen. Der Stau reicht schon ziemlich weit zurück, dabei sind hier noch zwei enge unübersichtliche Kurven. Was jetzt, leiden soll er nicht? Die Frauen debattieren noch, eine fragt: „Kann man ihn hoch heben?“ Ist sie noch zu retten, will sie Tollwut? Ich hätt ja sagen sollen und warten, ob´s ihn dann immer noch lieb findet. Jaja, hierzulande Marder retten aber Bettler verjagen. Eine andere meint, jemand soll ihn zum Tierarzt fahren. Genau, im Kofferraum oder gleich am Beifahrersitz?

Bevor sie ankommt, ist er tot!

Ich geh retour und frag die ersten Männer in der Kolonne: „Können sie einen Marder erschlagen?“ Alle verneinen, schütteln den Kopf, wirken eher schon ungeduldig. In der Zwischenzeit ist die, die das Tier angefahren hat, abgefahren. Super, letzte Rettung, der Heckenschneider und ein Seegrundbesitzer in Rente. Keiner von Beiden kann das arme Viech erschlagen. Da erspäh ich eine Schubkarre und handle. Pack das „Plastikhuterl“ der Straßenmeisterei daneben und schieb beides zum Marder hin. Da torkelt der Depp auf einmal mitten auf der Straße. Schnell zu ihm, das Huterl als Schauferl verwenden und ihn in die Scheibtruhe bugsieren.

Hilfe, kommen die Lebensgeister zurück!

Auf einmal, macht der zwei unkoordinierte Sätze und verschwindet im Gebüsch. Zumindest liegt er nicht mehr auf der Straße und ich bemerke: Ich bin allein. In dem Moment kommt ein Tieflader um die Kurve und meine moralischen Bedenken beginnen. Was, wenn sich einer traut hätt? Wäre meine Ungeduld Schuld, wenn es dem Marder das Leben gekostet hätt? Ein Freund beruhigte mich am Abend:
„Brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Wer das Viech nicht erschlagen kann, fährt halt nochmal drüber. Aus der Nase bluten deutet sowieso auf Schädlbruch und er varreckt beim See“.

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