Nach ihrem „Wocheneinkauf“, schaut Provinzmadame noch gerne im Geschäft nebenan vorbei, um ihre jüngere Tochter zu besuchen. Ein kurzes Gastspiel, das oft wie folgt endet und ihr vorher schon ein flaues Gefühl im Magen beschert.
Was mit harmlosen Fragen beginnt, endet meist mit: „Trink halt nicht so viel“ oder „Sag bloß nichts mehr“ und „Dann probier´s halt anders“ – oder „Fahr langsam“ und „geh doch zu einem andern Arzt“. Und nein, die darauf folgen Ermahnungen oder Ratschläge sprudeln nicht aus Provinzmadames Mund, sondern stammen von der Jüngsten.
Diese fühlt sich seit der Kindheit bemüßigt, als „Familienretterin“ dazustehen. Natürlich meint sie es nur gut. Nur, Provinzmadame fühlt sich von der Tochter belehrt und tritt dann in das selbe Fettnäpfchen. So stempelt die Ältere ihre Mutter als „Besserwisserin“ ab und die Jüngere als „Unwissende“ – dabei meint sie es nur gut, wie alle Mütter halt.
Mit der „Großen“ verlaufen die Dialoge „rescher“
Nach zwei größeren Schicksalsschlägen nahm sich die Tochter Coachstunden und erzählte ihrer Mutter davon. Unverblümt meinte Provinzmadame wieder mal: „Das, hab ich dir eh gesagt!“.
Darauf blockte die Tochter wütend mit einem:
„Von dir will ich es aber nicht hören“ – „DU – bist meine Mutter!“ ab.
Tja – die ungeschriebene Regel: Was Mutter sagt, ist wie ein Schlag ins Gesicht.
Viele empfinden gute Ratschläge als unnötig, besonders die eigenen Kinder.
Dabei ist sie keine von den Müttern, die nix dazugelernt haben Wie alle, will sie ihren Kindern Kummer ersparen, denn davon, hatte sie genug.
Gottseidank ist Provinzmadame in der glücklichen Lage und hat sich Leichtigkeit mit Humor bewahrt. Sie muss halt weiter daran arbeiten, sich zurückzuhalten und ihrem Plappermaul öfter befehlen: Halt den Mund!
Dann müsste sie sich nicht immer wieder auf den selben klopfen und mahnen: „Böser Mund was sprichst du!“
Man muss es aushalten können
Wenn sich die Kinder verrennen – und sich die Kommentare, um des Friedens Willen sparen. Was die Kinder aber kaum verstehen:
Hinter all dem „Geplapper“ stecken große Sorgen. Gedanken, die einem den Schlaf rauben und den Blutdruck hochtreiben, ganz zu schweigen vom Herzrasen.
Selbstverständlich schluckt Provinzmadame Pillen, aber Sorgen kennen keinen Medikamentenplan.
Ergo, bleibt es ein Tanz auf dünnem Eis, da, wo alle Drei ab und zu drohen einzubrechen.
Doch ab heute hat sie sich fest vorgenommen, sich nicht mehr „einzumischen“, damit die nächste Unterhaltung nicht wieder mit –
„Aber ich bin die Mutter!“ endet, und ihre Töchter einstimmig antworten: „Und ich die Tochter!“
Rituale, Rituale
Dennoch geschieht es regelmäßig, dass die Jüngere, ihr nach einer unerschöpflichen Diskussion, eine versöhnliche WhatsApp schickt- mit: „Sorry, hdgdl“ – die Ältere – sich aber wochenlang in Schweigen hüllt.
Ihre Liebe zueinander kann das natürlich nicht zerstören, nur ein wenig stören. Vielleicht sollte Provinzmadame das verinnerlichen:
„Das es ebenso sinnvoll ist, seinen Töchtern Ratschläge zu erteilen, wie einen Goldfisch zu baden.“
Trösten tut sie aber nur diese Metapher:
„Egal welche Steine ihr das Leben in den Weg legt, wenigstens hat sie keine hässlichen Kinder“
Mutterliebe lässt sich tanzen – aber meist auf dünnem Eis.

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