Den Kopf in den Sand?

So ein Praktikum im Seniorenheim macht den Bewohnern Spaß und der Praktikantin Freude. Logisch, ist es doch Abwechslung pur. Spiele, Aufmerksamkeitstraining und viele Übungen, die ihre kognitiven Fähigkeiten noch lange erhalten soll. Was hier noch unterhaltsam war, ist heute bei Provinzmadame ein Trauerspiel. Ihr Schwager „verliert“ sich. Ein Mann, der sein ganzes Leben der Familie, den Freunden und seiner Leidenschaft, dem „Gartenhäuschen“ samt Hund gewidmet hat. Er schafft es nicht mehr, kann nicht mehr aufrecht gehen und versucht dennoch verzweifelt, seinem Hund den nötigen Auslauf zu ermöglichen, den er dringend braucht.

Ein Platz für das geliebte Tier

und einen für seine Frau, Gertrudes Schwester. Vor einem Jahr noch quietschfidel, dann der Schlaganfall. Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Man soll das Leben mit Humor nehmen, doch der Ernst winkt schneller zurück. Ein Neues Jahr beginnt und die Leichtigkeit des Sein´s hat bei ihren Geburtstagsfeiern einen Wehmutstropfen mehr. Es war damals schon eine große Lücke, als Gertrudes Mutter starb. Sie werden es hinkriegen, wie alle Verluste in ihrem Leben. Werden ihre Lachfalten weiter vertiefen und deshalb aufmerksamer sein und die Feste noch länger, lustiger und genussvoller Feiern.

Provinzmadame wird nicht den Mut verlieren

sondern, lachen, lieben, laufen und laben, wie auch immer. Das erste Familienfest im Jahr ist Frau Gertrudes Geburtstag, dafür gibt es jedes Mal ein anderes Motto, diesmal: Federvieh. Dann wird gegackert, gesungen, getanzt und mit den Flügeln geschlagen. Narrhalla lässt grüßen. Tja, mit Humor und Sarkasmus haut einen nix so schnell um. Es spielt sich alles im Kopf ab. Provinzmadame lebt heute noch bewusster, entscheidet rigoroser (zu ihrem Vorteil!) Dennoch zählt sie fast täglich die Jahre bis zum Countdown.
Ihre Mutter wie Schwester, sowie Schwiegermutter hatten mit 66 Jahren einen Schlaganfall.
Frau Gertrude hofft deshalb, mit ihrer positiven und präventiven Lebenseinstellung, diesem Schicksal, nicht in die Hände zu laufen.
„Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu verleihen mag“

Wilhelm von Humboldt

Eine Antwort zu „Den Kopf in den Sand?”.

  1. Manchmal ist es einfacher, den Kopf in den Sand zu stecken. Scheinbar. Die Realität kann man aber nicht auf die Dauer verdrängen. Traurig manchmal aber nicht zu ändern.

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