Denken und Tun sind zwei paar Schuh

Kurz vor meinem Fünfziger, saß ich mit Freunden beisammen und entfaltete die Europakarte. Ich zog einen Strich darauf, von meinem Wohnort bis Santiago de Compostela, mit den Worten: „Von der Haustür weg, geh ich den Jakobsweg“. Phhaaaa, ein Shitstorm ging los: „Das geht nicht, da müsstest du doch durchs Meer“- bis: „Das schaffst du nicht mal in drei Monaten“- „Da musst ja übers Gebirg.“ Leitln, des is mir einfach so in den Sinn gekommen. Ich wollte „Zum Runden“ für mich, einfach etwas Aussergewöhnliches machen.
Zwei verschiedene Schuhe

Mittlerweile ist es über zehn Jahre her

In der Zwischenzeit hatte ich noch viel „effektivere Ideen“. Weil, wenn es „alle“ machen, will´s ich nicht mehr. Die Tour de France? Nur „einen“ Abschnitt. Aus der Tour „Meine Tour des Lebens“ machen, wie Lance Armstrong. Ich hab etwas gemacht, ich habe mich getraut, ich hab mich scheiden lassen, mit Fünfzig! Na und? Was? Na dann mach als Frau, in der Mitte deines Lebens etwas, das dich weit weg, von deinem bisherigen Alltag katapultiert. Könnte man fast mit „Krebs“ vergleichen. Es dreht sich nur mehr ums überleben, da kommen nur die Harten durch.
Feuerwehr

Der Feuerlauf oder Marathon

Alles abgehakt, durch diesen einen Schritt! Auch ich hatte vor, stellvertretend für das wirkliche Vorhaben, mir selber Mut zu machen. Einen Neustart wagen und zu wissen, das die Rente keine sein wird, weil du durchkommen musst. Da laufen dann doch einige lieber 42,195 Kilometer. Aber es geht, nicht ganz einfach, aber doch. Man sollte zwar auf Überraschungen gefasst sein und nicht auf andere zählen. Besonders nicht auf jene, die vorher zu deinem Alltag gehörten. Diejenigen die urteilen um nur ja nicht selber, auf dem „Abstellgleis“ zu stehen.
Gerade jetzt, meint wieder eine, im Bekanntenkreis diesen Schritt zu wagen. Sie hat Glück, ihre Eltern buttern ein paar Hunderttausend Euro zu, damit „Frau“ ihren Lebensstandard halten kann. Na, wenn das so ist.

2 Gedanken zu “Denken und Tun sind zwei paar Schuh

  1. Ich hab mit fünfzig eine zweijährige Zusatzausbildung begonnen, und bin sehr glücklich, dass ich es tue, auch wenn manch einer stirnrunzelnd auf mich schaut und sagt: lohnt sich das denn? Du gehst doch eh bald in Rente. Und andere sagen mir, dass sie es bewundernswert finden, dass ich mich traue. So denkt jeder anders und mit fünfzig oder sechszig oder auch siebzig kann doch immer noch was Passieren.

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