Unmögliche Möglichkeiten

Mein Vater starb, da war ich grade Zehn und meine Mutter, damals dreiundvierzig versuchte, so gut es ging, mich und meine fünf Geschwister durchzubringen. Mit circa Dreizehn, fuhr ich mit meiner Mutter in unsere Bezirksstadt. Nach den Besorgungen, gingen wir gerne an der Zoohandlung beim Bahnhof vorbei. Da sah ich ihn, Jimmy, den kleinen Makaken, ein Äffchentyp „Herr Nilson“

capuchin-1337190_960_720
Ein armseliges Gejammer im Käfig

In meinem Kopf: der will zu mir, der will zu mir! Noch keine Ahnung, wie viel Geld 2500 Schilling waren und was es bedeutete einen Affen zu besitzen, bettelte ich, was das Zeug hielt. Meine Mutter ihrerseits, versuchte stets nebenbei etwas Geld zu verdienen. Die italienischen Gene in ihr, das leidenschaftliche Handeln und Tandeln trugen das Übrige dazu bei. Sie dachte kurz nach und überlegte insgeheim, das mit dem Äffchen doch einiges Geld zu machen wär. Nach Verhandlung mit dem Geschäftsführer, einigten sie sich auf eine Anzahlung von fünfhundert Schilling. So standen wir kurze Zeit später, mit einem Riesenkäfig, mitten in der Stadt. Mir fiel nicht mal auf wie die Leute guckten, bis wir im Bus saßen.

fool-1476189_960_720

Zuhause die Sensation schlechthin

Vor lauter Freude, aber auch Mitleid mit dem Tier, ließen wir ihn gleich aus dem Käfig. Alter Schwede. Es waren mitunter die turbulentesten Tage meines Lebens. Das kleine Äffchen entwickelte sich zum Tyrannen. Unsere Katze zog er jedesmal am Schwanz, weg von der Futterschüssel, wenn sie gerade fressen wollte. Dem Freund meines jüngeren Bruders, wandte er bei jedem Besuch, das Hinterteil zu. Die Gardinen waren Lianen- Ersatz und die Wackel-Dackel meiner Mutter dienten als Wurfgeschosse, sobald wir ihn wieder in den Käfig sperren wollten. Einmal spielte meine kleine Schwester mit ihren Murmeln und der Affe schaute zu. Da sprang er, wie vom Teufel geritten, über ihre Schulter und stopfte alle Kugerln in seine Backen. Wie ein Hamster saß er dann auf dem Kachelofen. Was tun? Mein Bruder Max packte ihn am Nacken und ging mit ihm ins Bad, wo er ihm die „Beute“ aus den Backen „massierte“. Seitdem zeigte ihm Jimmy nur mehr die Zähne. Abstand war der nächste Schritt, er wollte ja nicht „der vom Affen Gebissene“ sein 😉

Pixabay Gellinger

Vierzehn Tage lang, die Bude voll

Alle wollten „Affenschaun“. Beinah wär meiner Mutter der Deal aufgegangen, von wegen Eintritt und so. Zu guter Letzt, war sein Geruch in der Wohnung nicht mehr auszuhalten. Demütig brachten wir ihn nach diesen hektischen Tagen, wieder zurück.
Das Ergebnis: Ich bekam eine Römische-Eins auf die Schularbeit: „Alltag in meiner Familie“
Und Geld hat der Affe ja einbracht, dem Tierhändler. Fünfhundert Schilling für zwei Wochen und nicht mal Arbeit mit dem Käfigputz, hmm. Manchmal kommt es doch anders, als gedacht 😉

8 Gedanken zu “Unmögliche Möglichkeiten

  1. Pingback: Tag 23 – Erfolg hat drei Buchstaben – bewegend-begeistern am Attersee

  2. Pingback: Mein Tausendsassa – bewegend-begeistern am Attersee

  3. Pingback: Goodbay Rubel Tuesday – bewegend-begeistern am Attersee

  4. Pingback: Meine Top 1 im Januar – bewegend-begeistern am Attersee

  5. Pingback: Deadline 2017? – bewegend-begeistern am Attersee

  6. Pingback: Meine Top 12 im Dezember – bewegend-begeistern am Attersee

  7. Pingback: Eigentlich wollt ich heut die Welt retten – bewegend-begeistern am Attersee

  8. Pingback: Sunn Wind und Regn? – bewegend-begeistern am Attersee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.