Katalog Hawara busseln

2–3 Minuten

Erstaunlich, wie wenig man über seine Geschwister weiß und womit sich die jüngeren beschäftigen, während die älteren Draußen spielen. Für Psychologen garantiert aufschlussreich findet Provinzmadame. Heute erinnert sie sich daran, dass ihre jüngere Schwester oft allein im Kinderzimmer blieb und nicht mit den Nachbarskindern spielte. Naja, in dem Alter sind zwei Lebensjahre auch noch Welten. Kürzlich hatte sich ihre Schwester geoutet und erzählte, dass sie währenddessen, sich mit den Versandhaus-Katalogen ihrer Mutter im Kinderzimmer beschäftigte. Damals war sie noch schüchtern und traute sich im richtigen Leben nicht mal, mit Jungs zu sprechen, aber in ihrer Fantasie war das anders.

Allein im stillen Kämmerlein, Katalog Hawara abbusseln

Stets blieb die kleine Schwester an den Seiten hängen, auf denen Männer die neuesten Anzüge oder Sportkleidung präsentierten. Da liebäugelte sie mit jedem und stellte sich vor, wie es wäre, wenn ihr einer davon, einen Kuss auf die Wange drücken würde. Wunderbar, alles ohne Angst vor Ablehnung, die sie sonst oft empfand. Die Augen der Männer schienen richtig zu funkeln und jeder blickte ihr direkt in die Augen, eigentlich lächelte sie jeder im Anzug an. Wie besessen blätterte sie sich Seite für Seite durch, „übermannt“ und fasziniert von den schönen Models. Tja, während Provinzmadame blinde Kuh und Ochs am Berg spielte, busselte ihre kleine Schwester, im Kinderzimmer Katalog-Hawara ab. Was würde Freud wohl dazu sagen?

Oder wars die frische Druckerfarbe?

Provinzmadame meint daher: Sie schnüffelte sich von Mann zu Mann, denn heute noch, ist sie süchtig nach dem Geruch von frischen Printmedien. Tja, andere Mädchen träumten, „Fury“ möge aus dem Fernseher springen, ihre Schwester, einer aus dem Katalog. Jahrzehnte später, begegnete sie wirklich ihrem „Prinzen“, er hatte zwar keine Ähnlichkeit mit einem Katalog-Hawara, aber er hatte eine stattlichen Körpergröße von fast zwei Meter. Ihrer Schwester war das egal, er stellte sich als Prinzi“ vor und so wurde er dann auch von allen genannt. Provinzmadame muss zugeben, Charisma hatte er ja und ihre Schwester fühlte sich bei ihm geborgen. Immerhin konnte sie in seiner Gesellschaft nun ungeniert ihre Spitzen bei Familienfeiern austeilen, denn Prinzi, stand jederzeit hinter ihr, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Lieblingsgetränk

Es war auf einer Geburtstagsfeier bei Provinzmadame, da wurde ihm „Cola Whisky“, sein Lieblingsgetränk, zum Verhängnis. Die Feier sollte nebenbei eine kleine Abschiedsfeier sein, denn die zwei Turteltäubchen wollten ihren Urlaub diesmal in Thailand verbringen. Beim letzten Schluck dann, legte er seinen Kopf zu weit in den Nacken und kippte wie ein Zementsack, rückwärts von der Bank.
Da lag er, den Kopf zwischen den Büchern im Regal und die Augen starr auf die Decke gerichtet. Alle beugten sich über ihn und ihre Schwester seufzte: „Scheiße, das wars wohl jetzt mit Urlaub“ – Es dauerte aber gerade mal zehn Sekunden und nach diesem kurzen Blackout, fuhr Prinzi mit seinen Händen in die Höhe und saß mit diesem Schwung, wieder auf der Bank, das alles, ohne Wachküssen.
Tja, meint Provinzmadame, so sind sie, die Prinzen.

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