Jaja, sie kann das!

3–4 Minuten

Mit dem Satz „Ja, ja, das kann ich!“ hatte Provinzmadame im Laufe der Zeit so manche missliche Situation heraufbeschworen. Zwar stets mit den besten Absichten, nur, vor vierzig Jahren war YouTube noch keine Option, um sich Tipps zu holen. Sie war und ist sowieso eher der „Learning by Doing“-Typ und scheut noch heute keinen ersten Versuch. Allerdings im Nachhinein, mussten die Betroffene leider mit den Konsequenzen leben – nicht selten mit einem Schock und oder schlimmer, Mordgedanken.
Ein denkwürdiges Beispiel war mal Wimpernfärben. Die Friseurin ihrer Schwägerin war damals kurzfristig ausgefallen, weswegen Provinzmadame spontan ihre Hilfe anbot. Auf die skeptische Frage: „Kannst du das überhaupt?“ antwortete sie selbstbewusst „klar doch“, schließlich hatte sie schon öfter zugesehen.

Wattebausch unter die Wimpern, Farbe auftragen, fertig

Tja, so einfach war es dann doch nicht und jeder, der selbst einmal Hand angelegt hat, weiß, wie scheiße das Ergebnis aussehen kann. Die Schwägerin saß noch mit geschlossenen Augen am Tisch und so führte sie auch Provinzmadame sie ins. Dort offenbarte sich das Ergebnis: Zwei rabenschwarze Guck! Provinzmadame musste ihr Lachen unterdrücken, immerhin bedauerte sie „den Unfall“ sehr, zumal es ein Sonntag war und die Schwägerin am nächsten Tag in ihre leitende Position zurückkehren musste. Jedenfalls wurde der Sonntagskaffee, dann für längere Zeit alleine genossen. Wozu ihr auch das Drama beim Arbeitskollegen einfällt.

„So a Kopferl is glei gstrickt“

Eine Episode, die sich beim Besuch eines Arbeitskollegen ihres Mannes ereignete. Dessen Frau, frischgebackene Mutter, gerade dabei war eine Babymütze zu häkeln und sich der Maschenanzahl unsicher war – teure Wolle macht bekanntlich vorsichtig.
Provinzmadame, damals noch handarbeitsaffin, bot natürlich sofort ihre Hilfe an. Ohne Zögern schlug sie Pi-mal-Daumen die Maschen an und begann zu häkeln. Nach der zehnten Reihe wurde ihr dann aber flau im Magen. Die Mütze wirkte verdächtig groß. Positiv denken und zum Maßband greifen.
Ein „Ups“ später war klar: Leider ein Pfusch! Die „verstrickte“ Angorawolle konnte leider nicht mehr gerettet werden und das Resultat? Keine Einladung mehr zum Kaffee, und auch auf Facebook sind sie nicht befreundet.

Aja, noch was: Zick zack, Haare ab!

In den 1970er Jahren war es unter den Jugendlichen populär, sich die Haare mit einer Rasierklinge zu schneiden – der VoKuHiLa-Look war en vogue. Eine Schulfreundin von Provinzmadame hatte sich diesen Schnitt selbst perfekt verpasst. Inspiriert davon, wagte sich auch Provinzmadame an ihre Haarpracht und war mit dem Resultat äußerst zufrieden.
Nur, jeder der eine jüngere Schwester hat, weiß: „Das will sie auch!“ und das ist nicht nur ein Satz, sondern eine unausweichliche Aufforderung. Leider fiel das Ergebnis bei ihr weniger gelungen aus, was vielleicht erklärt, warum das Verhältnis, heute noch gelegentliche Spannungen aufweist.

Das auch noch: Das Tapezierdebakel

Welche Frau kennt das nicht: Die Tapeten sind alt, die Wände müssten gestrichen werden und der Ehemann meint: „Ich mache das schon irgendwann.“ Irgendwann ist ein Wort, das die Geduld von Provinzmadames aber überstrapaziert.
Also nutzte sie die Spätschicht ihres Mannes, um wieder mal selbst Hand anzulegen. Die Tapeten am Küchentisch eingekleistert, eine Leiter aufgestellt und los gings. Was beim „Selfmade- Man“ so einfach aussah, erwies sich aber als schweißtreibende Herausforderung für sie.
Bald stellte sich auch heraus, Fensterrahmen, Schalter und Türkanten arbeiten gegen sie und als ihre Schwägerin einen kurzen Blick riskierte, meinte sie nur kopfschüttelnd:
„Wenn des da Karli siagt!“

Um 13:00 Uhr hatte sie damit begonnen, und unfertig, gegen 22:00 Uhr öffnete sich die Tür.
Selbstverständlich fiel dem detailverliebten Ehemann sofort der Patzer beim Lichtschalter auf und an einen entspannten Abend war nicht mehr zu denken.
Aber Provinzmadame hatte damit erreicht, dass eine Woche später, ein richtiger Maler, seinen Job perfekt machen konnte.
Ergo: Learning by Doing ist nicht immer der schnellste Weg, aber für sie, wie so oft der lehrreichste. Tja:

„Niemand weiß was er kann, bis er es probiert hat“ – Publilius Syrus

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