Heilig, heilig, heilig!

3–4 Minuten

Wie so oft an einem Sonntag, holte Provinzmadame ihre Mutter ab, um die jüngere Schwester zu besuchen. Diese lebte auf einem Bauernhof, eigentlich mehr ein Sacherl, ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich nur zur Selbstversorgung eignet. Reich werden konnten sie damit nicht, außer sie würden viel Grund verkaufen. Dieser Besuch aber, wurde zu einem richtigen Abenteuer, denn als sie bei der Jause saßen, hallte es vom Innenhof: „Heilig, heilig, a Kuah is ledig, heilig, heilig!“. Provinzmadame dachte noch: „Wird hoit „stiern“ de Kuah und gamipg sei“. Falsch gedacht, denn die Schwester sprang wie von der Tarantel gestochen auf und darum Provinzmadame, gleich hinterher. Wie immer, wenn etwas unvorhergesehenes passierte, war der Schwager vom sonntäglichen Frühschoppen noch nicht daheim. Das alleine sorgte schon für Aufregung.

Ein Rindvieh hat sich losgerissen

In einem Stallbetrieb nicht ungefährlich, weil es Unruhe unter den anderen Kühen bringt und dann werden´s alle „deppert“. Entschlossen eilte Provinzmadame ihrer Schwester also hinterher in den Stall, schauen, wo sich die Kuh überhaupt befindet. Noch stand die Kuh am Gang vor ihrem Platz und die resolute Schwiegermutter, griff sofort nach der Mistgabel, um sie mit dem Stiel stupsend, Richtung Tränke zu treiben. Provinzmadame lief sofort auf die andere Seite und griff vom Futtergang beherzt durch das Gitter zum Hals der Kuh. Streckte ihre Hände weit nach vorne, um die Kette am Hals der Kuh zu erwischen. Mit aller Kraft versuchte sie nun, das Rindvieh an ihren Platz zu zerren. Die Kuh aber, blieb stur wie ein Bock am anderen Gang stehen und fixierte sie dabei mit ihren großen Augen. Außer Atem vor Kraftanstrengung, schrie sie dem Huftier entgegen: „Schau net so bled und geh endlich zuwa”. Die Schwiegermutter, noch immer die Gabel in den Händen, jammerte verzweifelt: „Heilig, heilig, de Kuah hearlt de, de Kuah hearlt de!“ Das verunsicherte Provinzmadame nun so, dass sie die Kette aus den Händen gleiten ließ, denn aufgespießt, wollte sie dann doch nicht werden.

Endlich: Die Rettung

Der Schwager, ein zwei Meter Lackl, torkelte mit sichtlich viel „Mutwasser“ intus, in den Stall. Mit breiten Beinen und abgestützten Händen in den Hüften, verschaffte er sich einen Überblick. Entschlossen schwankte er dann auf die Kuh zu, kleschte ihr mit der flachen Hand eine kräftige auf die „Oberschale“ und schrie außer sich: „Geh eini do, deppads Rindviech!“ Und? Akkurat stapfte die Kuh langsam auf ihren Platz zurück. Den Weibern blieb der Mund offen stehen und für Provinzmadame, die Moral von dieser Gschicht: Lass Dich von keinem verunsichern, der weniger Mut hat als Du, aber lass die Erfahrungen nie außer Acht, die andere damit schon gemacht haben. So kann einem ein „heilig, heilig“ auch helfen. Das Einzige, worüber sie sich wunderte, warum hatte sich die Schwiegermutter ihrer Schwester so aufregt, immerhin kostete ihr eine Heimkehr vom Bauernmarkt mehr Nerven.

Das Ferkeldebakel

Schuld war die Altbäuerin selber, denn angeheitert, samt ihrem Freund, kamen sie vom Bauernmarkt retour. Beim Viehhändler hatten sie fünf kleine Ferkel ersteigert und den Deal wie immer, natürlich gleich mit Schnaps begossen. Am Hof angekommen, wollten sie die kleinen rosa Schweinderl, vom Hänger aus, gleich in den Stall treiben. Leider waren sie zu keiner angemessenen Reaktion mehr mächtig und die kleinen flinken Viecher entwischten ihnen. Verteilten sich quietschen und „sternspritzerartig“ am Rasen hinter der Kirche. Da packte die Fahnenmutter Angst, nicht nur um ihre Schweinderl, sondern auch um ihren guten Ruf, immerhin verursachte der Zirkus ziemlich viel Lärm. Die Ferkel, erst noch rosa, irrten panisch kreuz und quer umher, die Altbäuerin und ihr Freund hinterher. Die Schweinderl wurden schon weiß wie die Wand, so, wie kurz vorm Abstechen. Wie immer in so heiklen Situationen, rief die Altbäuerin verzweifelt: „Heilig, heilig, heilig!“.

Mit vereinten Kräften und Dank einer großen Hoftür

So schafften sie es, die vor Stress halbtoten Ferkel in den Stall zu treiben. Fertig mit den Nerven und der Welt, schredderten wahrscheinlich nicht nur die Schweinderl, sondern auch die Bäuerin knapp am Herzinfarkt vorbei.
Nach dieser Aktion, verglich Provinzmadame das Treiben auf diesem Hof, ständig mit den Geschichten von “Michel” aus Lönneberga.
Ein Dorf, wo sich die Bauern ständig über die „wilden Ross“ auf da Woad aufregen und eigentlich das Unkraut gemeint ist, nur Provinzmadame dachte, es seien echte Ackergäule, und keiner kann sie einfangen.

„Eine Kuh macht muh, viele Kühe, machen Mühe“


Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..