Akt Eins: Seufzend blickte Provinzmadame wie so oft in den Spiegel, denn: Ihr Brünett verlangte schon wieder eine Nachfärbung. Jetzt aber ist endgültig Schluss: AUS mit Färben! „Ihr Kopf soll zu ihrem Körper passen, Basta“.
Es muss doch heutzutage möglich sein, so alt ausschauen zu dürfen, wie alt man ist?
Ihre Nachfrage beim Friseur stimmte sie positiv: Es ist möglich, von Braun auf Weiß zu kommen. Nur, ein Abzug wird wahrscheinlich nicht genügen, um nach einer Sitzung ihre altersbedingte „Naturfarbe“ weiß, vollständig zu erlangen.
Okay, damit kann sie leben, dann halt zwei oder drei Sitzungen.
Erst noch war die Stylistin sichtlich schockiert und fragte: „Is was passiert?“
Provinzmadame beruhigte, aber ausreden lässt sie sich das nimmer, immerhin hadert sie seit Corona damit. Wäre im übrigen ein guter Zeitpunkt gewesen, doch alle schlugen nur die Hände übern Kopf zusammen und riefen:
„Tu das nicht, das macht voll alt!“
Akt Nummer zwei
Das Herz voller Hoffnung und die Tasche mit Nervennahrung = Prosecco und After Eight, so betrat sie den Klipp- Salon.
Man weiß ja nie, vielleicht trifft sie doch der Schlag beim neuen Anblick?
Ein letztes Mal vergewisserte sich die Friseurin: „Wirklich von Brünette auf Weiß? Selbstverständlich, wenn schon, denn schon!
Das Procedere verlangte Zeit und echt viel „Geduld“ von Provinzmadame.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, drei Stunden, einem Farbabzug, einer Silbertönung und einer Olaplex-Kur später, das Ergebnis.
Gar nicht mal so schlecht, aber der Kommentar dazu, war nicht das Ziel:
„Du schaust jetzt viel jünger aus“ – Shit, und ihr Körper?
Akt Nummer Drei
Zweihundert Euro leichter in der Tasche, einem Silbershampoo und mit dem finalen Tipp der Friseurin – „Einmal pro Woche Olaplex und den Rest macht die Sonne“ – verließ sie den Verwandlungstort.
Optimistisch machte sich Provinzmadame zur Verwandtschaft auf, um ihr neues Styling beäugen zu lassen.
Erstaunte Kommentare folgten: „Du bist ja Blond!?“
Innerlich grollt Provinzmadame, nein Weiß, Weiß, verdammt.
Blond, wie eine Semmel sein – war ja nicht der Plan.
Diesen „Dämpfer“ musst sie mildern, also ab ins Stamm – Cafe am Attersee und hier, waren die Reaktionen doch alle positiv.
Akt Nummer Vier
Tja, was nützt einem die neue Farbe am Kopf, wenn es im „Orbit“ keiner sieht. Ergo – eine Instagram-Offensive starten.
Ohne Filter, Licht und perfekten Winkel – erschienen die ersten Kommentare – „Sieht super aus!“ – und – „Jetzt bist du ein total anderer Typ“
AHA, wer, wie, was, warum? Versteht sie zwar nicht, aber gut, das lässt sie mal so stehen.
Fazit ist: Daumen hoch von allen und keiner, der sie deswegen moralisch demontieren wollte.
Die neue Ära beginnt nun schneller als gedacht, denn der neue Look verlangt auch nach neueren Fotos!
Also, einen Termin bei „Press the Button“ buchen – denn die Bilder von Vorher, sind ja mehr oder weniger unbrauchbar.
Akt Nummer Fünf
Ihr stehen wohl Wochen voller Haarkuren und Styling-Experimenten bevor, denn das Haar, wenn man es zur Zeit überhaupt so bezeichnen kann, fühlt sich an wie Stroh.
Naja, besser Stroh am, als im Kopf. Den Gelbstich aber, findet sie gar nicht so schlecht!
Allen Vorurteilen zum Trotz aber – nimmt sie keine Blond – Identität an, denn:
„Worauf es ankommt bei der Frau, ist ja nicht schau schau, sondern,
bleib stets schlau“
Akt Nummer sechs
Die folgenden Erfahrungen haben garantiert Erzählpotenzial haben – doch auch mit „blondstich“, wird Provinzmadame nicht anders denken und handeln.
Vielleicht ist es auch Einbildung, doch eines fiel ihr auf, nun grüßen sie Männer von Weitem, die, die sie vorher sogar in der Näher „übersehen“ haben.
Auch Autos bleiben ohne Zebrastreifen stehen, wenn sie über die Straße will 🙂
Herrlich! Wenn das so weiter geht, könnte doch noch eine Steigerung passieren.
Na dann: „Holla die Waldfee“ – hat sich Provinzmadames Motto doch wieder mal bewährt:
„Entweder man lebt, oder man ist konsequent“ – Erich Kästner

