Ich bin die Mutter!

2–3 Minuten

Nachdem Provinzmadame ihren Wocheneinkauf erledigt hat, besucht sie meist ihre jüngere Tochter im Geschäft nebenan. Ein Kurzbesuch, der manchmal wie folgt endet und ihr vorher schon ein flaues Gefühl im Magen beschert. Harmlose Fragen, mit denen alle beginnt: Auf „Wie geht’s dir?“ – folgen Ermahnungen oder Ratschläge in Form: „Trink halt nicht so viel“ oder „Sag bloß nichts mehr“ oder „Dann probier´s halt anders“ oder „Fahr langsam“ oder „geh doch zu einem andern Arzt“.

Und nein, das alles sprudelt nicht aus Provinzmadames Mund, sondern aus dem, der Jüngsten. Diese fühlt sich als „Familienretterin“ – und meint überhaupt alles gut. Tritt aber dabei meist in das selbe Fettnäpfchen. Die Ältere, stempelt ihre Mutter sowieso als „Besserwisserin“ ab. Dabei meint sie es auch nur gut, wie alle Mütter halt.

Mit der „Großen“ verlaufen die Dialoge daher „rescher“

Nach zwei größeren Schicksalsschlägen nahm sich die Tochter eine Coachin und erzählte ihrer Mutter davon. Unverblümt meinte Provinzmadame: „Das, hab ich dir auch gesagt!“.
Darauf blockte die Tochter wütend ab mit einem: „Von dir will ich es aber nicht hören. DU – bist meine Mutter!“ Jaja – die ungeschriebene Regel: Was Mutter sagt, ist wie ein Schlag ins Gesicht.

Tja, viele empfinden einen guten alten Ratschlag als unnötig, besonders die eigenen Kinder. Dabei ist sie keine von den Müttern, die nix dazugelernt haben Wie alle, will sie ihren Kindern einfach nur Kummer ersparen, denn davon, hatte sie, genug im Leben.

Doch Provinzmadame ist in der glücklichen Lage, sich mit Humor ihre Leichtigkeit zu bewahren. Sie muss nur weiter daran arbeiten, sich zurückzuhalten und ihrem Plappermaul öfter mal zu befehlen: Halt den Mund!
Dann müsste sie sich nicht immer wieder selber stoppen mit: „Böser Mund was sprichst du!“

Man muss es aushalten können

Wenn sich die Kinder verrennen – und sich die Kommentare dazu sparen, um des Friedens Willen. Was die Kinder aber kaum verstehen: Hinter all dem „Geplapper“ stecken große Sorgen.
Gedanken, die einem den Schlaf rauben und den Blutdruck hochtreiben, ganz zu schweigen vom Herzrasen.
Selbstverständlich nimmt Provinzmadame Tabletten dagegen, aber Sorgen kennen nun mal keinen Medikamentenplan. Ergo, bleibt es ein Tanz auf dünnem Eis, da, wo alle Drei ab und zu drohen, einzubrechen.

Ab heute hat sie sich aber fest vorgenommen, sich nicht mehr „einzumischen“, damit die nächste Unterhaltung nicht wieder mit – „Ich bin aber die Mutter!“ endet, und eine ihrer Töchter mit einem entschlossenen – „Und ich die Tochter!“ antwortet.

Rituale, Rituale

Zumindest geschieht es regelmäßig, dass ihr die Jüngere danach, eine versöhnliche WhatsApp schickt mit: „Sorry, hdgdl“ – die Ältere aber – sich wochenlang in Schweigen hüllt.

Ihre Liebe zueinander, kann das nicht zerstören, nur ein wenig stören. Vielleicht sollte Provinzmadame auch mal verinnerlichen:
„Das es ebenso sinnvoll ist, seinen Töchtern Ratschläge zu erteilen, wie einen Goldfisch zu baden.“
Sie aber – tröstet sich lieber mit dieser Metapher:

Egal welche Steine ihr das Leben in den Weg legt, wenigstens hat sie keine hässlichen Kinder“


Mutterliebe lässt sich tanzen – aber meist auf dünnem Eis.

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