Frühlingsbeginn der anderen Art

Wenn Provinzmadame eines kann, dann: Zurück zum Start! Wieder von Vorn anfangen, privat wie beruflich. Beruflich passiert ihr das öfter, privat, weniger. Im Grunde mag sie Veränderung, aber nicht zu häufig. Aber was bedeutet häufig?
Häufig passiert oft, zum Beispiel isst sie oft Obst oder geht viel spazieren. Manchmal, passiert nur ab und zu, gelegentlich, also, manchmal isst sie Pizza und selten, ganz selten hat sie Dates. Warum eigentlich? Das wird sie ein anderes Mal hinterfragen.

Diesmal spielt es sich beruflich ab, und das, obwohl sie pensioniert ist. Dabei hasste sie früher schon diese Bewerbungs-Prozedur. Der Vergleich und das „gemessen werden“ – an anderen. Es ist ja nicht so, dass sie nach der Schule wie viele eine Lehre machte und danach, vierzig Jahre in der selben Branche arbeitete. Sondern es gab längere Fehlzeiten, wie Kinderzeit und „Selbstfindung“ dazwischen. Das schmälerte ihre Pension, weshalb sie etwas „Körberlgeld“ dazuverdienen will.

Nicht zu viel und nicht zu wenig, genau richtig, das ist wichtig

Und dafür eignet sich ein Minijob. Nach der Pensionierung war das in einer kleinen Boutique am Attersee. Die Geschäftslinie: „Boho“ und „Vintage“ – man konnte es an Provinzmadames Outfits erkennen.
Da es in jeder Branche Einsparungen gibt, betrifft es auch dieses Geschäft. Tja, der Staat holt sich das Geld meist von den „KLEINSTEN“, Motto: Viel wenig, macht ein Viel.
Und wie heißt es so schön, den letzten beißen die Hunde, oder es trifft das letzte Glied in der Nahrungskette – und das ist hier: Provinzmadame.

Nein, es kam nicht überraschend, denn sie hatten es lange vorher schon besprochen. Trotzdem, ärgerlich, heißt es doch wieder: Bewerbungen und Lebensläufe schreiben, samt passendem Foto!
Nur hat sich bei Bewerbungen vieles verändert. Man kann nicht einfach persönlich vorstellig werden, sondern es muss alles seinen Gang gehen und der ist: Online!

Veränderung ja: Aber bitte nicht immer von Vorn!

Es hilft nix, daher überlegen wofür und bei wem sie sich bewerben will. In der Modebranche zählt Erfahrung im Verkauf, Warenkunde und Präsentation.
Wenn es sich „nur“ um Regalbetreuung handelt, zählt „front face“ = neue Ware einräumen, alte Artikel vorziehen und nicht vergessen, das Ablaufdatum zu kontrollieren.
Dann zählt der richtige Ansprechpartner, der, für den sie die passenden Fertigkeiten erwähnen und an die dazugehörige Branche senden muss.
Früher machte ihr das Spaß, da war vieles interessant, heute ist es mühsam.

Immer wieder, Auf und Nieder

Jaja, alles neu macht der Frühling, dabei sind ihr die Ideen nicht ausgegangen, im Gegenteil, „bewegend-begeistern“ kann sie aus dem FF- nur – dafür gibt es keine Money. Ergo, Bewerbungen schreiben.
Dennoch konnte es Provinzmadame nicht lassen und versuchte es trotzdem persönlich bei zwei Geschäften. Alles in der Hoffnung, die ganze „Schreiberei“ zu umgehen.

Und so auch beim letzten Einkauf, wo sie die Marktmanagerin aufsuchte, im Glauben, IHR gegenüber stehen reicht. Leider nein, denn diese meinte: „Drucken´s ihre Bewerbung aus und bringen sie diese vorbei“.
Enttäuscht ging sie zum Auto und packte ihre Lebensmittel hinein. So läuft es in einem Beamtenstaat: „Bewerbungen nur online“ – es hilft nix, da muss sie durch.

Ihr bleibt wirklich nix erspart

Zu allem Ärgernis der letzten Wochen, zählten nämlich nicht nur das TV Gerät und WLAN, nein, es musste auch der Drucker seinen Geist aufgeben. Einen Neuen installieren dachte sie – ist nicht mehr nötig. Wie man sieht: Denkste!

Klar könnte sie ihren Lebensabend „Zuhause“ genießen, das Glück liegt in der Seele, und die hat man immer dabei, zumindest meinte das Jean-Paul-Sartre.
Provinzmadame ist ja glücklich, aber nur in der Küche sitzen bleiben, mag sie nicht. Dafür fühlt sie sich viel zu lebendig, außerdem mag sie gerne Reisen.

Nun gibt es diese unguten „Fehlzeiten“ im Lebenslauf, weshalb sie, wenn nötig, auch eine Leiter auf und absteigen muss, um Müslis oder Küchenrollen einzuräumen.

Tja, hätte sie studiert, könnte sie wahrscheinlich als Frau „Magister“ in Pension – entweder einen Job im öffentlichen Dienst besetzen, oder als: Archivarin für verlorene Gedanken, brillante Ideen dokumentieren, die einem meist dann entfallen, wenn man sie braucht.

„Im Ruhestand muss man nicht mehr tun was sich lohnt, sondern nur mehr das, was sich rentiert“

„Hättst wos gscheits glernt“ – hat sie aber nicht, dafür müssen andere warten bis ihnen was einfällt und Provinzmadame – kann das aus dem Stegreif.

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