…und rennt dem dümmsten Ochsen zu„. Provinzmadame hat schon Glück, wenn sie kein Pech hat. Ist froh, wenn sie ihren Alltag im Griff hat und bei Unvorhergesehenem nicht panisch wird. Unerwartetes kann sie tatsächlich aus der Fassung bringen, es macht sie platt und dann kann sie den „Anschluss“ nicht gleich wieder finden.
Pech – ist bei ihr meist finanzieller oder männlicher Natur, denn immer dann, wenn sie meint: So ein Glück, schlägt das Schicksal zu.
Finanziell, nimmt es ihr das Kissen weg, den „Polster“ – den sie angespart hat und Gefühlsmäßig den Mann – dem sie ihr Herz schenkte, obwohl er eigentlich Hirn gebraucht hätte.
Dabei kann sie die Momente genießen, die sie glücklich machen und nennt es nicht Pech, falls sie „geblitzt“ wird, sondern sieht darin ein – SS = Selber Schuld.
Eigentlich ist sie sogar reich, weil es zum Glück reicht, obwohl, laut Statistik – Frauen Glück anders erleben als Männer. Hierbei macht den Mann Status und die Frau – eine Beziehung glücklich. Aber, stimmt das wirklich?
Zwanghaft glücklich sein – bringt überhaupt nix
Deshalb hat sich Provinzmadame abgefunden und lässt sich von dem wenig Luxus glücklich machen, wie: Ihre morgendliche Tasse Kaffee, täglich heiße Dusche, manchmal sogar zwei.
Das weiche Bett, der Schrank voller Klamotten und ein Auskommen mit dem Einkommen, meistens. Sie liebt ihre Familie wie Freunde und umgekehrt.
Selbstverständlich ist sie dankbar für ihre Gesundheit, was sollte sie also mehr wollen?
„What shells, andere haben noch weniger“
Also wandert und radelt sie mit entspannten Gesichtszügen, nicht wie einige Freizeitsportler, zwanghaft und verbissen, mit verzerrtem Blick sein Sportpensum abrackern.
Wenn sie so einen auf dem Rad sitzen sieht, fällt ihr höchstens die Bezeichnung „Asphaltbeißer“ ein. Bei so einer Mimik kann man doch nur an einen Krampf, als an eine einspannte Trainingsfahrt. So kann Bewegung keinen Spaß machen, schon gar nicht glücklich.
Das Wunder der Natur genießen
Viel zu viele suchen ihr Glück wie ein Kleeblatt am Wiesenrand, in der Hoffnung – eines zu finden. Möchten sich zwar über Kleinigkeiten freuen, können es aber nicht.
Vielleicht der Grund, weil sie schlichtweg keine netten Zufälle oder ungeplant schöne Augenblicke erkennen? Den Regebogen, Sonnenauf- oder Untergang, der Sundowner zu zweit am See usw.
Ab und zu hat Provinzmadame eine Fehleinschätzung und der freudige Moment, wo sie denkt „so ein Glück“ – bringt sie schwuppdiwupp, entweder ins Minus, oder in den Abgrund der Gefühle.
Mit einem „Quantum“ Glück aber, gelingt es ihr meist, einen Zusatzjob zu ergattern, womit sie die Zahlen wieder ins „Grüne“ bringt und „Beziehungsmäßig“– einen Seelentröster.
Alles in Allem bleibt sie eine Frohnatur, weil sie weiß:
„Meist ist man nur durch Nachdenken unglücklich“ Joseph Joubert
Die Glücksforscherin Annegret Braun schreibt, Glück kann täglich „passieren“:
Vieles ist machbar, aber nicht alles ist möglich. Für einen Glücksmoment kann man oft nichts beitragen, den bekommt man zufällig geschenkt, aber ich kann was zu meiner Zufriedenheit, zu meinem Lebensglück beitragen, indem ich mehr im Moment lebe, im Alltag wachsam bleibe und Dinge akzeptiere, die sich nicht ändern lassen.
(Isabella Lechner, dieStandard.at, 7.2.2013) – derstandard.at/1360160981721/Gluecksforscherin-Braun-Die-Ansprueche-an-das-Glueck-haben-sich-erhoeht
