Heilig, heilig, heilig!

War der verzweifelte Hilferuf einer Frau und zwar der Schwiegermutter ihrer Schwester. Worte die garantiert dem Herrgott galten und sie beruhigen sollten, wenn Gefahr drohte. Es war ein Sonntag und wie so oft, Provinzmadame mit Kind und Mutter zu Besuch auf dem Sachl. Ein kleiner Bauernhof, der sich zur Selbstversorgung eignet, nicht zum reich werden. Außer man würde seine Gründe und den Wald verkaufen. Also, von Anfang an, nach alter Dorfregel, ging ein Mann nach der Kirche zum Frühschoppen. Ihr Schwager aber, nicht zur Messe, sondern direttissima ins Wirtshaus. Sein „Schoppen“ dauerte dafür so lange, dass er oft zur Stallarbeit am Abend noch nicht da war. Wie es der Teufel diesmal haben will, musste etwas passiert sein, denn es hallte ergreifend durch den Hof: „Heilig, heilig, a Kuah is ledig, heilig, heilig! Wie von der Tarantel gestochen sprang ihre Schwester auf und Provinzmadame natürlich gleich mit. Dabei dachte sie: „wird halt „stiern, de Kuah“, was so viel wie „gampig“ oder „geil“ heißt. Nein, es war schlimmer, losgerissen hat sich das Rindviech!

„A ledige Kuah bringt Unruhe in den Stall

und ist außerdem gefährlich, weil es die anderen Kühe deppert macht. Also, Provinzmadame entschlossen mit im Stall, schaut wo die Kuh steht und läuft vor die Tränke. Dort griff sie beherzt durch das Stallgitter, zur Kette am Hals der Kuh. Hielt sie fest in der Hand und wollte sie zum Gitter der Tränke ziehen. Hoffte, dass eine der beiden Frauen zu Hilfe kommt, denn die Kuh blieb steif wie ein Bock stehen und fixierte sie mit ihren hervorquellenden Augen. Die Schwiegermutter schrie dabei abermals hysterisch: „Heilig, heilig, los aus, de hearlt de, de hearlt de! Das Geschrei machte Provinzmadame doch unsicher, denn „hearln“ bedeutet: Die Kuh spießt dich auf, also hat sie die Kette wieder losgelassen. Im selben Augenblick kam der Schwager vom Frühschoppen in den Stall. Wahrscheinlich weil er das Geschrei seiner Mutter hörte. Mit etlichem Mutwasser intus, torkelt der zwei Meter Lackl auf die Kuh zu und schreit sie an: „Eini do Krucka, bleds Rindviech!“ Das war ein Kommando mit Nachdruck, ein Klaps mit der flachen Hand auf die Flanke. Mit offenem Mund starrten die drei Weiber die Kuh an, die nun langsam und gemütlich auf ihren Platz zurück stapfte.

Die Moral von der Geschicht

Lass dich von niemanden verunsichern, nur weil er weniger Mut hat als du, vergiss aber nicht, dass diese Person vielleicht schon Erfahrung damit hat. Sonst könnte „heilig, heilig, heilig“ zur Nahtoderfahrung werden und Sprenge Deine Grenzen, zur fehlgeschlagenen Mutprobe.
Im Übrigen „heilig, heilig“, hat sie auch damals geschrien, als sie die Ferkel, die sie gerade gekauft hatten, abladen und in den Stall treiben wollten. Am Bauermarkt, so etwas wie ein Kirtag, wo gehandelt und getrunken wird. Die Bäuerin und der Bauer also, leicht alkoholisiert und die Reaktion daher etwas gehemmt, sind ihnen die Schweinderl zwischen den Beinen entkommen. Da war es wieder: „Heilig heilig, de wern hi“ – jeder Landwirt weiß, Schweine die unter Stress stehen, ergeben ein schlechtes Fleisch und außerdem können sie vor Schreck sogar sterben.
Das war ein Tumult, steht das Sacherl doch gleich hinter der Kirche und nun hetzten die Schweinderl, weiß vor Verzweiflung, herzzerreißend und quietschend hinter den Kabinettscheiben hin und her. Gottseidank kamen die Nachbarn zu Hilfe und gemeinsam konnte sie die Viecherl in den Stall treiben. Zwei Tage dauerte es, dann waren die Schweinderl wieder rosa. Durch solche Geschichten, wurde Provinzmadame der „Michel aus Lönneberga“ immer sympathischer.
PS: Noch etwas aus dem Bauernlexikon: Jammert eine Bäuerin, „dass scho wieder so viele wilde Ross auf da Woad stehngan“, meint sie keine Ackergäule, sondern das Unkraut 😉


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