spürts Provinzmadame im Hals, da wo ihre Mandeln mal waren und ihr das Schlucken dann weh tut. Obwohl sie versucht, sogar bei sentimentalen TV-Szenen, ihre Tränen zu unterdrücken, schießt ihr trotzdem das Augenwasser ein, wie einer jungen Mutter die Milch.
Zu sentimental für ihr Alter?
Nein, zu sensibel, denn jeder hat Zuspruch nötig und möchte ab und zu in den Arm genommen werden und nicht auf ihn. Bei viel zu vielen aber, verhindert das Stolz und Verbitterung. Sich dann in Gesprächen die Behauptung zuwerfen: „Für mich war auch keiner da“ – bringt einen nicht weiter.
Dabei sehnt sich Provinzmadame nach Halt, Rückhalt, keiner Sicherheit, unser Staat lässt schon keinen verhungern, wenn, dann der Partner – am langen Arm.
Bedingungslose Liebe für die Kinder
Wenn die Kinder erwachsen sind, wird der Abstand manchmal groß. Da kann die Verbundenheit zur Nachbarin dann alleine schon deswegen größer sein, weil man sich grüßt und fragt: „Ist Alles okay?“
Wenn durch eine Scheidung, die Familie auseinander bricht, ist das Zuhause für die Kinder, so nicht mehr da. Dann sind „größere“ Scheidungskinder meist pragmatisch, wo mehr Platz und Freunde, da wird geblieben.
Provinzmadame erinnert sich hier an das Drama „Kramer gegen Kramer“ aus den Achtzigern: Die Frau verlässt Mann und Kind, um sich selber zu „finden“. So eine Rabenmutter!
Als Provinzmadame sich aber vom Kindsvater trennte, waren die Kinder schon erwachsen und Selbstverwirklichung, stand weiß Gott nicht am Plan.
Auch wenn der Familienalltag von Streit begleitet war, die Kinder leiden mit dem, der verlassen wird.
Darum, doch äußerst selten
beschäftigt sich Provinzmadame mit Trauer und seelischen Verletzungen. Sie erinnert sich stets an das Gute und will die „zweite Seite“ berücksichtigen.
Große Verwunderung entstand für sie damals bei Leuten, die sie in ihrer Ehe für „dumm“ oder Dummchen gehalten haben und dann über diesen Schritt empört waren.
Mitleid bekommt anscheinend nur der, der sich alleine nicht zurecht findet, doch nie der oder die, die bereit war zu kämpfen, um es alleine zu schaffen.
„Das sind die Starken, die, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen“ – Franz Grillparzer
